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"Das ist das einzige Radioprogramm mit Garantie. Es gibt keine heißere Show! Wenn es eine gäbe, würden wir unsere einstellen"(B.Graves)
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Kay Bloemer

RIAS-Star will seine Fans kennen lernen

BERLIN - Die verbotenen Früchte schmecken am leckersten. So war es auch zu DDR-Zeiten mit dem Radiosender RIAS. Von der Regierung verpönt, wurde er doch heimlich von Millionen gehört. Die Moderatoren hatten auch hinter der Mauer eine riesige Fan-Gemeinde.
Kai Bloemer, einer der ehemaligen RIAS-Stars, will jetzt seine Fans kennen lernen. "Bye, bye - Euer Kai", so hatte sich Kai Bloemer mehr als 1000 Mal von seinen treuen Hörern verabschiedet. Der jüngste Radio-Moderator Deutschlands (er kam mit 22 aus den USA) machte von 1969 bis 1977 neben vielen anderen Sendungen mittwochs und sonnabends "Treffpunkt". Von 16 bis 18 Uhr gingen dort Rock und Pop aus den USA und Großbritannien über den Äther, aber auch Nachrichten . Sonnabends aber wurde weniger geredet - zu Gunsten der Musik. "Diesen ,Treffpunkt' haben wir extra für unsere Hörer im Osten gemacht", sagt Kai Bloemer, der heute als freier Reisejournalist um die Welt düst. "Wenn ich die Beach Boys, die Kinks, die Rolling Stones, oder die Beatles ankündigte, wurden dort Hunderttausende Tonbandgeräte gestartet. " Obwohl Bloemer nie in der DDR war - er bekam als Mitarbeiter des "amerikanischen Hetzsenders" keine Einreise - kannte er seine Fans. "Wir haben jede Woche zwei Deck-Adressen durchgegeben. " Und so gingen die Briefe für Kai Bloemer eben an Erna Müller in der Paulsborner Straße. "Natürlich hörte die Stasi mit, fing wäschekörbeweise Post ab, genau so viel kam aber durch. " So erfuhr Kai Bloemer von den Musik- oder Grußwünschen, die er mit Decknamen Sendung prompt erfüllte: "Mick Jagger, der 28. , aus Prenzlauer Berg grüßt alle Freunde in Marzahn". Doch persönlich kennen gelernt hat Bloemer seine Hörer erst nach dem Mauerfall, den er vorm Fernseher in einem Hotel in Toronto erlebte. "Ich habe geheult, weil ich so weit weg war. " Wenn er heute im Osten unterwegs ist, kommt es oft vor, dass er gefragt wird: Sind Sie etwa der Bloemer vom RIAS? Jetzt will er seine Fans treffen. Wer dazu Lust hat, schreibt bitte an den Kurier, Karl-Liebknecht-Straße 29, 10178 Berlin oder berliner-kurier@berlinonline. de, Kennwort: "Kai".

Anka Seyfert Quelle: "Berliner Kurier Samstag, 25. Mai 2002
Von einem Konzert, das nie stattfand

Die "Rolling Stones" zum Republikgeburtstag (MDR)

Zum 20. Geburtstag der DDR sollten die Rolling Stones in West-Berlin ein Konzert geben. Die Fans waren elektrisiert, die Stasi auch. Ende September 1969 kündigte der "Rundfunk im Amerikanischen Sektor", kurz RIAS, eine vermeintliche Sensation an. In der Nachmittagssendung "Treffpunkt", die bei den Jugendlichen in Ost-Berlin wegen ihres Beatmusikangebots sehr beliebt war, sagte der Moderator Kai Bloemer, dass am 7. Oktober, anlässlich des 20. Jahrestags der DDR, die Rolling Stones in Westberlin ein Konzert geben werden. Um 20 Uhr auf dem Dach des "Springer"-Hochhauses. Extra für die Stones-Fans im Osten. Die Nachricht klang für viele Stones-Fans im Osten durchaus glaubwürdig. Denn das "Springer"-Verlagshaus schien tatsächlich wie geschaffen für ein solches Konzert. Es stand direkt an der Mauer in Kreuzberg, unweit des Checkpoint Charlie. Auf der anderen Seite, in Ost-Berlin, befand sich seit dem Zweiten Weltkrieg eine große Brache, auf der Zehntausende Fans mühelos hätten Platz finden können. Und dass Verleger Axel Springer jede Möglichkeit nutzen würde, um in den Osten hineinzuwirken, glaubten viele Ostdeutsche. Ein Gag mit Folgen Die sensationelle Nachricht verbreitete sich jedenfalls wie ein Lauffeuer, zunächst im Ostteil der Stadt, schließlich gelangte sie auch bis in den hintersten Winkel der DDR. Es kursierten sogar Flugblätter, die das Konzert ankündigten: "Am 7. Oktober vor dem Springer-Hochhaus. Es spielen die Rolling Stones." Für die Fans der britischen Rockband, die in der DDR als die Inkarnation des Bösen galt und deren Musik seit 1965 nicht mehr öffentlich gespielt werden durfte, gab es jetzt nur noch eines: Auf zum "Springer"-Hochhaus!

Dabei: Es war alles nur ein Jux des RIAS-Moderators Kai Bloemer gewesen. Was er damit in der DDR anrichtete, hatte er sich freilich nicht ausmalen können ... Stones-Fans in Ost-Berlin Denn nicht nur die Stones-Fans in der DDR waren wie elektrisiert, auch die Stasi nahm die Ankündigung des Konzerts sehr ernst. Das Gebiet um das Springer-Hochhaus sollte am 7. Oktober weiträumig abgesperrt und verhindert werden, dass Stones-Fans aus den Bezirken nach Berlin reisen. Jugendliche mit "dekadentem" Aussehen sollten bereits in den Wochen vor dem Republikgeburtstag überwacht werden. Auch als die Staatssicherheit schließlich herausfand, dass über "ein Auftreten der Rolling Stones in Westberlin im Oktober nichts bekannt ist" und "Beobachtungen in der Umgebung des Springer-Hochhauses keinerlei Anzeichen auf Vorbereitungen für den Aufbau einer Bühne" ergaben, blieben die Sicherheitsorgane doch in Alarmbereitschaft. Stellten doch bereits die zu erwartenden Beatfans eine ernste Bedrohung der offiziellen Feierlichkeiten zum Republikgeburtstag dar.   Dennoch konnte die Staatssicherheit nicht verhindern, dass trotz Überwachungen und eines großen Polizeiaufgebots auf den Ostberliner Bahnhöfen Tausende Stones-Fans aus Berlin und allen Teilen der Republik am Nachmittag des 7. Oktober 1969 ins Zentrum der Hauptstadt der DDR strömten, um ihre Idole live zu erleben. Sie bewegten sich in kleinen Gruppen Richtung Mauer und waren leicht auszumachen: Sie trugen Jeans und - gemessen am damaligen Standard – lange Haare.

P.S. Kai war wohl Alkoholkrank und ist leider September 2009 verstorben. Er wurde am 12.10.09 auf dem Friedhof in der Heerstraße beigesetzt. mehr

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