Studio 89

Das Original

"Das ist das einzige Radioprogramm mit Garantie. Es gibt keine heißere Show! Wenn es eine gäbe, würden wir unsere einstellen"(B.Graves)
Rock over RIAS
Rock over RIAS war eine Spezialsendung im RIAS- Berlin (1975- ca.1985)

Rock over RIAS

Barry Graves arbeitete nicht nur als Autor oder Produzent, er wirkte auch regelmäßig an Sondersendungen des RIAS Berlin mit. "Rock over RIAS" war eine solche Sendung, die vom 26.Dezember 1975 bis 01.Januar 1976 stattfand. Diese 2. Marathonsendung (Im August 1975 wurde die erste ausgestrahlt) war ein Weihnachtsgeschenk an alle Rock- und Pop-Fans. Neben Barry Graves, der jede Nacht eine andere Mütze trägt, schrieben auch Walter Bachauer, Uwe Wohlmacher und Olaf Leitner Rundfunkgeschichte. Burghard Rausch war ab der zweiten Ausgabe mit dabei. Es war die ungesunde Lebensweise, die den Moderatoren so zusetzte. Olaf Leitner stöhnt:" Wir können uns vor bunten Tellern nicht retten." Barry Graves mäkelt:" Schon wieder 'n Stollen" und Walter Bachauer(Musikredakteur im RIAS) dreht sich seelenruhig Zigaretten. In Massen werden Tee und Kaffee geschluckt, zuweilen auch Wein und Würstchen.  In der DDR sind zu dieser Zeit die Leerkassetten ausverkauft ! Später wurde diese sehr erfolgreiche Sendung auch vom NDR übernommen.

Fotos von links: Bachauer, Graves, Leitner © Rias Berlin




 

Rock over RIAS 

Pressestimmen zu Rock over RIAS:

Dennis King (damals Radio Carolin) lobte: "Die beste Sendung, die ich in Deutschland je gehört habe." Berliner Morgenpost schrieb: "Wenn Halbwüchsige die Nacht mit Kopfhörern verbringen und erst gegen Mittag am Frühstückstisch erscheinen ...und so der Haussegen schiefhängt, dann ist Rock over RIAS-Time."

Der Spiegel 35/1975

RUNDFUNK Heiße Nächte
Eine Woche lang kamen Rockfans in Berlin und der DDR erst gegen Morgen in den Schlaf. Der Sender Rias strahlte 400 Hits der Pop-Geschichte aus.  24.08.1975

Ein Kneipenwirt klagte: »Ich habe jetzt jede Nacht 1500 Mark weniger Umsatz gemacht.« Lehrer stöhnten: »Die Kinder pennen den ganzen Morgen im Unterricht.

« Werner Rackwitz, stellvertretender Kulturminister der DDR, wetterte gegen das »ideologische Dumping mit Mitteln der Musik«. Ansonsten aber herrschte im Sendebereich des Rias, so Funkredakteur Walter Bachauer, »pure Euphorie«.

Die Station in West-Berlin hatte, vorletzte Woche, einen Medien-Knüller gelandet, der die Straßen leerfegte wie sonst nur -- lang ist"s her -- ein TV-Thriller aus der hohen Durbridge-Zeit. Sechs Nächte, von 22 Uhr bis morgens halb drei oder bis fünf, wurde »Rock over Rias« ausgestrahlt, laut Untertitel ein »Musikmarathon mit den 400 besten Hits der Popgeschichte"« das zu einem politisch und funktechnisch brisanten Spiel ohne Grenzen gedieh.

Nicht nur in West- und Ost-Berlin, bis zur Ostsee und weit hinunter ins Erzgebirge lösten Bachauer, 33, sowie seine Disc-Jockey-Kollegen Barry Graves, 29, und Olaf Leitner, 27, mit den Beatles, Elvis und Oldies ein beispielloses Hit-Fieber aus. In den 29 Stunden Sendezeit wurden beim Rias rund 3400 Anrufe gezählt -- fast die Hälfte davon aus der DDR.

»Wir haben einfach«, sagt Bachauer, »vor den Mikrophonen eine private Party veranstaltet.« Doch Millionen Hörer bestimmten mit über das Programm. In einer »Blitzumfrage« wurde der größte Rock-Hit aller Zeiten ermittelt: »Satisfaction« von den Rolling Stones. »Was uns hier wirklich zum Mitschneiden fehlt«, meldete sich der Jockey einer Ost-Berliner Tanzbar« »ist alter Rock"n"Roll.« Fans aus Dresden bekundeten: »Wir haben Urlaub genommen und fahren jetzt nach Potsdam, da kriegen wir den Rias in Stereo.« Binnen kurzem waren in vielen Teilen der DDR Tonbänder ausverkauft.

Niemals zuvor hatte ein deutscher Sender seinen Hörern so bereitwillig das Musikarchiv zum Mitschneiden geöffnet und auf Anfrage auch Raritäten aus Privatbesitz ausgestrahlt. Schon ist in der DDR eine Kopier-Aktion für Freunde und den Tonband-Schwarzmarkt angelaufen; auch in West-Berlin bieten Fans den Zukurzgekommenen gratis oder gegen Entgelt ihre Dienste an: »Wir haben »Rock over Rias« komplett auf Band.«

Selten auch wurde soviel private Information aus dem ganzen Sendegebiet unmittelbar vom Telephon in eine Live-Show des Rundfunks eingebracht. In Köpenick (Ost) wurde ein Papagei, in einem Charlottenburger Krankenhaus (West) ein neugeborenes Baby mit dem Namen Rocky belegt. In Ost-Berlin leistete ein Mädchen ("Ich hab« zu Hause kein Radio") mehrere Nächte lang einem Busfahrer Gesellschaft, der die Sendung am Steuer empfing -- jetzt haben sie sich verlobt.

Vor aller Ohren stritten die Plattenaufleger im Studio ("Das ist doch das Grabmal des unbekannten Hits!"), um das jeweils beste Stuck eines Interpreten herauszufinden. Und diese Mischung aus Pop-Tops, Intimität und aktueller Rückkopplung mit dem Zuhörer hat das Radio in jener Woche wieder zu einem heißen Medium gemacht.

Schon vordem hatte Bachauer, nach amerikanischem Vorbild, im Rias Funkprogramme durchgesetzt, die in der übrigen deutschen Radiolandschaft bis heute undenkbar sind. In fünf »langen Nächten« (Sendungstitel) brachte der Berliner Sender seit 1973 jeweils ausschließlich fünfeinhalb oder sieben Stunden lang Aufnahmen von den Beatles, Pink Floyd, Johann Sebastian Bach, Louis Armstrong und den Roll ing Stones. Dem verzopften ARD-Kartell nämlich, das solche Aktivität durch den vereinbarten Trivialnenner seiner »Musik bis zum frühen Morgen« verhindert, hat sich die teils von Washington finanzierte Station nur locker assoziiert.

Der ARD-Sender Freies Berlin immerhin, dem Rias benachbart, ist durch den Popmusik-Erfolg der Konkurrenz kräftig irritiert. Letzte Woche war »Rock over Rias« im SFB bevorzugtes Konferenz- und Kantinengespräch. Vor allem beunruhigt ARD-Programm-Macher die Tatsache, daß die Pop-Riesenresonanz ihre sorgsam gehegten Demoskopie-Ergebnisse zugunsten deutschen Schlager-Schmalzes offenkundig widerlegt.

In den weit über 3000 Telephonanrufen wurden nur zweimal Schlager verlangt. Ein Hörer, der noch am Montag Peter Alexander erbeten hatte, zog seinen Wunsch demonstrativ am Donnerstag zurück: »Nehmt diese Bitte als einen Scherz.«Der Spiegel schrieb: "Diese Mischung aus Pop-Tops, Intimität und aktueller Rückkopplung mit dem Zuhörer hat das Radio in jener Woche zu einem heißen Medium gemacht."


Olaf Leitner in seinem Buch "WEST-BERLIN! WESTBERLIN! BERLIN (WEST)!" zu Rock Over RIAS: (Der Autor arbeitete von 1968 bis 1992 erst als freier Mitarbeiter, dann als Musikredakteur und danach als Redakteur Kultur Politik beim RIAS.ROR Zeitung

Die Sendereihe Rock Over RIAS hat 1975 in der DDR einiges Aufsehen erregt.) Frage: Warum musst du dich nun auch noch selbst interviewen? Weil ich der einzige Überlebende aus dem Gründerteam von Rock Over RIAS bin.  Walter Bachauer ist 1989 gestorben, Barry Graves 1994. (auf dem Foto Walter Bachauer mit Ulrich Minke) Walter, im RIAS für Avantgarde und alles Schräge zuständig, hat damals, 1975, die Idee eines mehrtägigen Rockmarathons durch die hauseigenen Gremien gejagt und zu dessen Verwirklichung beigetragen. Was war nun das Besondere an Rock Over RIAS? Es war die Rache für die Niederlage in der Schweinebucht! Spass beiseite: Zuerst das Formale: Wir hatten zwischen Weihnachten und Neujahr und in den Sommerferien fünf bis sechs Nächte mit fünf bis sechs Stunden Sendezeit, um ein differenziertes Rockmusikprogramm abzustrahlen. Es war gespickt mit Informationen, Hintergrundberichten, Live-Interviews mit Studiogästen. Wir hatten sogar Ü-Wagen zur Verfügung, mit denen unsere Reporter nachts in der City unterwegs waren. Auch in der rauen Zeit bei den Hausbesetzern, Mitten in einem Live-Interview haben sie, oder ihre Kumpel, uns das Kabel durchgeschnitten. Das war die typische linke Medien-Blödheit, es ging ja schließlich darum, ihre Ansichten weiterzugeben.

Anarchie hat eben eigene Gesetze. ...es bestand zudem die Möglichkeit für die Hörerschaft, mit uns zu telefonieren. Das wurde weidlich genutzt zu Anregungen, Kritik und Ermunterung. Unser Musikangebot war thematisch geordnet, es gab zumeist einen Oberbegriff mit möglichst vielen Unterabteilungen und sorgfältig ausgesuchte Musikstücke. Sozusagen collectors item? Ja, dieser neudeutsche Begriff trifft es. Wir wussten, dass ein Großteil unserer Hörerschaft Tonbandgeräte und Kassettenrecorder plus zahllose Bänder und Kassetten bereitzuliegen hatte, um möglichst viel von der Sendung mitzufräsen. Es gab Leute, die wegen schlechter Empfangsbedingungen ihren angefeuchteten Zeigefinger an die Antennenbuchse drückten, um selber als Antenne zu fungieren und den Empfang zu verbessern. Respekt! Na- Deep Purple "Child in Time" hätte man sich doch auch von Freunden ausleihen können, deshalb muss man sich doch nicht die Nächte um die Ohren schlagen? In Neukölln oder Schmargendorf schon, nicht aber unbedingt in Prignitz, in Marzahn oder in Cottbus. Unser Adressat war das junge DDR-Volk. Das hatte wenig Auswärtiges im Plattenschrank und jeweils am Morgen danach ziemlich gerötete Augen und war nicht gerade topfit. Die Film- und Tonbandfirma ORWO meldete den Ausverkauf ihrer Produkte. So schrieben die Zeitungen. Die leeren Regale wurden quasi zur Metapher für das Ganze. Das Aufnahmematerial war übrigens nicht billig, der Nachwuchs musste kräftig in die Tasche greifen.

Gehörte es zu den Aufgaben des RIAS, Bänder für das private Archiv vollzuspielen?

Es war der Programmauftrag des Senders, unseren Brüdern und Schwestern hinter, oder, wenn man so will, vor der Mauer die ewigen Wahrheiten zu verkünden und westliche Lebensart einzubimsen. Dazu gehörte einerseits die aktuelle Analyse angesichts irgendwelcher neuen Streiche des Politbüros, dazu gehörte es, über neue Spitzenleistungen des DDR-Sports zu berichten, egal ob mit oder ohne dope, dazu gehörte es aber auch, den Brothers & Sisters die Musik ins Haus zu bringen, die man in den Gefilden des weltweiten Kapitalismus zu hören bekam, und die den DDR-Kids durchaus gut mundete.

Mehr Infos: Spiegel

Weitere wichtige Daten zur Sendung Rock over RIAS von meiner Partnerseite! Rock over RIAS Teil 1 , 2 u. 3

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ROCK OVER RIAS !

Ein Gastbeitrag aus dem Jahre 2002 © mit freundlicher Genehmigung des Webmasters Banner Rias Community


Ein Meilenstein der Rundfunkgeschichte.
Die ersten langen Nächte im Radio, die sich inhaltlich einem Thema widmeten. Wie der Name der Sendung erahnen lässt, geht es um Rockmusik. Damit sind aber sämtliche Schattierungen der
Rockmusik gemeint, wobei die Definition - was ist Rockmusik ? - wohl ausschliesslich den Programmverantwortlichen vorbehalten war. Es war ein gerader, manchmal ein schräger Schnitt durch alle Formen dieser Musikgattung. Das könnt Ihr anhand der
beigefügten Ausschnitte schnell selbst feststellen.
Das erste Mal ging "ROCK OVER RIAS" im August 1975 an den Start. Ein themenbezogener Musikmarathon in den Nachtstunden mehrerer zusammenhängender Tage ( bis zu 6), zumeist ausgestrahlt zum Jahreswechsel.
Bis 1975 bestand ein grosser Mangel an Sendetypen, die den Bedürfnissen jugendlicher Rockfans gerecht wurden. "ROCK OVER RIAS" war ein erster Schritt in diese Richtung und dermassen erfolgreich, dass es als Vorbild der Rockpalast-Nächte (WDR) gilt. "ROCK OVER RIAS" wurde teils in die Programme der ARD (z.B. NDR) übernommen. 
Initiiert wurde das kassetten- & tonbandverschlingende Event durch das Moderatorenteam Barry Graves, Walter Bachauer,Christian Graf Olaf Leitner.

In späteren Jahren übernahmen Christian Graf , Gerhard Kothy, Uwe Wohlmacher  Burghard Rausch  die Sendereihe.

Als Hörbeispiele liegen vor: ein Ausschnitt aus der 2. "ROCK OVER RIAS"-Veranstaltung vom Dezember 1975, ein Ausschnitt aus Dezember 1976 sowie von Januar 1981. Letzte Sendung trägt nicht mehr den Titel "ROCK OVER RIAS", sondern "25 Jahre Rockmusik". Prinzipiell ist es aber "Rock over RIAS", was das kleine Jingle mit Burghard Rausch beweist.

Die Sendung aus Dezember 1975 war für Dennis King die "beste Sendung, die ich in Deutschland je gehört habe". Damals schipperte er noch mit RADIO CAROLINE in der Nordsee. Nacht für Nacht klingelten sich die Telefone heiß. Auf 400 Anrufer aus dem West kamen damals bereits 150 Anrufer aus dem Osten. Und es hätten noch mehr pro Nacht werden können. Viele sind sauer, dass sie ihren Musikwunsch nicht nicht auf die Liste bekommen. Die Fans versuchen es nun per Telegramm: "Bin verzweifelt, kein Anschluss,
Bitte spielen Sie ...." . Kistenweise kommt Post ... auch ein Tonband ist dabei ... Ein Fan zeigt den Moderatoren hörspielartig, dass er per Telefon nicht durchkommt. Dieses Tonband wird prompt von den Moderatoren aufgelegt und ausgestrahlt. Aber auch über das Wohl der Plattenplauderer sind die Fans besorgt. Bunte Teller und Christstollen sollen ihnen helfen das Mammutprogramm durchzustehen. Bereits damals saß Burghard Rausch im Studio und musste die Hotline bedienen, zusammen mit Michael Duwe ... Beide mussten ärztlich betreut werden und wurden später durch Aushilfe "Manna" ersetzt. Kleine Statistik: die jüngsten Anrufer sind zehn, die Älteste ist 67. Die meisten Anrufer sind jedoch zwischen 25 und 30 Jahren alt. Ein Anrufer war ein Arzt im Krankenhaus. Er tat dies für eine 22jährige todkranke Patientin. Sie wollte "Tallahassee assie" von Tommy Steele hören. Dies Platte war im RIAS aber nicht verfügbar, somit sprang prompt ein Fan aus Dahlem ein und brachte die Scheibe zum RIAS.


Öfter wurde ich in der Vergangenheit gefragt, ob ich der Meinung sei, das noch Sendungen des Rias Berlin im Archiv des DeutschlandRadios archiviert seien. Oft konnte ich die Frage nur verneinen.
Heute will ich mein Urteil jedoch revidieren. Die Sendungen des DeutschlandRadios in letzter Zeit zeigen, das das Archiv doch wesentlich größer ist als gedacht. Denken wir allein an Weihnachten 2009, dort gab es Ausschnitte aus Rock over Rias, Rias Treffpunkt und DT 64. In der Sendung über Barry Graves gab es gar Teile von Studio 89 zu hören. Das alles macht Optimistisch und ich vertrete nun die Meinung, das im Archiv doch wesentlich größere Mengen an Mitschnitten lagern als bisher angenommen. Das zeigen auch die Sendungen, die bis heute anhalten.  Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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