Studio 89

Das Original

"Das ist das einzige Radioprogramm mit Garantie. Es gibt keine heißere Show! Wenn es eine gäbe, würden wir unsere einstellen"(B.Graves)
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Lord Knud

"Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln."

Lord Knud vom RIAS - Liebe unter den Menschen ist ihm am wichtigsten

Ein Bericht von Andreas Dorfmann in "Der Abend" 29.09.1980

Lord KnudViele tausend Hörer kennen nicht nur seine Stimme, sondern auch seinen Namen: Obwohl Lord Knud schon seit Beginn seiner 12-jährigen- Funk-Karriere weder bei der An-noch der Absage seinen Namen nennt. Seine Sendungen "Evergreens a gogo" und natürlich die "Schlager der Woche" sind kaum aus dem RIAS Programm wegzudenken. Kein Wunder: Allein mit "Evergreens a gogo" erreichte er 71% der Berliner Rundfunkteilnehmer. Nicht mitgerechnet seine unzähligen Fans in der DDR. Selbst eingefleischte SFB-Hörer schalten am Sonnabend um 9 Uhr auf die RIAS-Wellen um. Nach der Schule machte Knud Kuntze (so sein richtiger Name) eine Lehre als Bankkaufmann. Weil ihm das zu langweilig war, und er lieber Musik machen würde, wurde er Mitglied bei den "Lords". Leider ging seine musikalische Karriere durch einen tragischen Unfall schnell zu Ende. Knud verlor sein rechtes Bein und mußte bei den "Lords" ausscheiden. Ein Berliner Kneipenbesitzer brachte ihn auf die Idee, in seinem Lokal Disc-Jockey zu werden. "Ich habe mir einen Schuhkarton mit ein paar Platten gesucht und einfach losgelegt" Lord Knud hatte nur ein Problem: "Ich habe fürchterlich genuschelt" Deshalb ging er auf eine Schauspielschule und nahm Sprechunterricht. Daraufhin bekam er eine Probesendung beim SFB, bei der er aber wegen Prüfungsangst durchfiel. Dann versuchte er sein Glück beim RIAS. Man gab Knud einfach eine Sendung und ließ ihn nicht mehr vom RIAS weg. Er suchte den direkten Kontakt zu den Hörern: Sei es in Diskotheken, wo er mit Jugendlichen über "Schlager der Woche" plaudert und gern Plattenvorschläge entgegen nimmt oder im Supermarkt (er geht sehr gern einkaufen), wo er meistens seine reiferen "Evergreens-Hörer" trifft. Es passier häufig das er auf dem Kurfürstendamm von wildfremden Menschen angesprochen wird: "Sag mal, bist du nicht der Knud vom RIAS?" Das mag er. "Ich liebe und lebe von der Herzlichkeit der Menschen".

Was Lord Knud haßt, sind Mauern und Stacheldraht. Außerdem geldgierige oder haßerfüllte, böse Menschen. "Es müßte viel mehr Liebe unter den Menschen herrschen. Meine Devise: Kürzester Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln" Der Junggeselle genießt gerne seine Freiheit. Er ist auch immer noch freier Mitarbeiter beim RIAS Berlin. Nebenbei betreibt der 36jährige eine kleine Werbeagentur. Der gebürtige Berliner über Freunde: "Es gibt nur wenige Menschen, die man als Freunde bezeichnen sollte, ich selbst gehe mit dem Wort sehr sparsam um." Als einen wahren Freund bezeichnet er den Schlagersänger Udo Jürgens. "Wir kennen uns seit 12 Jahren, unsere Freundschaft wächst und wächst, es macht immer mehr Spaß." Als seinen weiteren Freund bezeichnet er seinen Programmdirektor Prof. Herbert Kundler. Knud über kluge Köpfe: "Viele glauben, wenn sie das Abitur bestanden haben, dann ist alles fertig. Viel wichtiger für mich, das menschliche Lebens-Abitur zu bestehen". Lord Knud würde auch gern Fernsehen machen: "Es müßte keine Stunden- Sendung sein, vier Minuten würden mir reichen. Vor allem viel Witz müßte drin sein, ähnlich wie bei Loriot." "Als Berliner zum Fernsehen zu kommen, geht kaum über eine Berliner Rundfunkanstalt. Beispiele sind dafür Hans Rosenthal und Harald Juhnke. Ich glaube, daß sich die Programmdirektoren der deutschen, besonders aber der Berliner Sender, zu wenig um den Nachwuchs bei Funk und Fernsehen kümmern." Bild links: Lord Knud und Dennis King

Mehr Bilder (zur Erinnerung, der Beitrag erschien am 29.09.1980) Meldung vom 21.02.2007 im Tagesspiegel Berlin Knud weckt nicht nur kuschelige Gefühle, sondern auch die Erinnerung an einen populären Berliner Namensvetter. Ein Leser schlägt vor, das Bärchen zu adeln und „Lord Knud“ zu nennen. So, wie sich einst der Rias-Discjockey nannte, der zwischen 1968 und 1985 die legendären „Schlager der Woche“ und auch andere Sendungen moderierte. Dieser Knut aber schrieb und schreibt sich mit „d“ am Ende, und der Titel Lord stammt von der seit 1959 existierenden Rockgruppe „The Lords“, der er als Bassist angehörte – bis 1964 ein Autounfall, bei dem er ein Bein verlor, sein Musikerleben beendete. Dafür startete er eine Hörfunkkarriere. Knud war eine Radio-Institution, ein Original, seine lockeren Sprüche begeisterten nicht immer, waren mitunter hart an der Geschmacksgrenze. Aber die meisten Hörer liebten ihn, diesen Radio-Narren, den der Abschied vom Mikrophon schmerzte. An einem Fenster seiner Zehlendorfer Wohnung leuchtete bis vor wenigen Jahren die rote Schrift „On Air“, Lord Knud fühlte sich noch auf Sendung. Der kleine Eisbär träumt, „On Ice“ zu sein. Er ist populär wie einst sein Namensvetter, aber für den Titel „Lord“ scheint Knud viel zu kuschelig. C. v. L.

Zitat auf die Frage, was Lord Knud heute macht:
"Im April 1987 wurde er vom RIAS gegangen, er war durch seine abgedrehte Art leider nicht mehr tragbar, da er seit 1983 Kontakt mit Wolfgang Neuss hatte und damit sein "Jointkonsum" ins Uferlose stieg. Er hat dann mit Ulli Schamoni an der Planung von 100,6 gearbeitet und wurde dann gekantet, bevor der Sender am 7.4.1987 auf Antenne ging. Seitdem trifft man ihn hier und da in Clubs, ich hatte die Ehre, 1991 und 1992 an Projekten mitzuarbeiten, einmal Berliner Rundfunk und zum andern DT 64, in beiden Fällen hatte Knud eine "Gastsendung".

Meine Überlegung war, ihn heute für die 250.DG-Sendung mit ins Studio zu nehmen, habe diese aber aus genannten Gründen wieder verworfen. Knud ist übrigens am 18.März 61 Jahre alt geworden. (Ein Beitrag im Gästebuch von Peter vom 13.4.2005)
Ergänzung vom 9.1.2007: "Treffe ihn jetzt wieder regelmäßig, er hat sich - für meinen Geschmack - mächtig gefangen. Leider macht ihm jetzt der Rücken ziemliche Probleme."

"Und schließlich sei noch angemerkt, das man inzwischen wieder sehr gut mit ihm arbeiten kann und wir (Peter Anm.Red.) demnächst sein gesamtes Zeitungsarchiv (von den Lords 1964 bis heute) ins Netz stellen wollen, versehen mit seinen heutigen Kommentaren."
Ergänzung 2011: Der Rock and Roll hat mein Leben versaut. Knud plant ein Buch über sein Leben. Mühsame Schritte zum Regenbogen Berlinonline 15.10.1994

Lord Knud und das Ende der Sendung "Schlager der Woche"(1968–1985)
Lord Knud, der seit Januar 1968 die RIAS-Schlagerkassette moderierte, war Ex-Bassist der Beat-Gruppe The Lords. Am 7. Oktober 1968 moderierte er zum ersten Mal die "Schlager der Woche" und verabschiedete sich mit seinem berühmten „Oki Doki“. An diesem Tag erhielt die Sendung ihren neuen Opener, den sie bis 1985 behalten sollte, im Mai 1975 wurde dieser in Stereo neu produziert. Als Urlaubsvertretungen hörte man Gregor Rottschalk, Nero Brandenburg, Dennis King und Wolfgang Hellbich. Der Spruch „Ich habe nichts gegen Frauenbewegungen – Hauptsache, sie sind rhythmisch“ wurde angeblich vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker gehört, der sich beim Sender beschwert habe. Damit hatte RIAS Berlin einen Grund, dem schon lange unliebsamen Mitarbeiter Lord Knud fristlos zu kündigen.

Die letzte Nummer 1 am 27. September 1985 kam von Sandra mit dem Titel Maria Magdalena.

Das Buch der Versuchungen: 20 Porträts und eine Selbstbezichtigung von Alexander Osang

Radiointerview Radio 1 am 04.September 2011 zu Gast in "Hörbar Rust"

Barry Graves über Lord Knud

Bild 4 aus der RTL Serie "Unter uns" Film, Bild 5, Bild 6, dort spielte Knud in den ersten Folgen einen alternden Radiomoderator

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Nachfolgend berichtete meine ehemalige Partnerseite über Lord Knud  Banner Rias Community

"Lord Knud", eine RIAS-Legende !
.... der mit dem Regenbogen ....
ist wieder da !
Entnommen dem Archiv der Berliner Morgenpost
Titel: Schön war's dennoch / «Lord» Knud Kuntze: Stimme der Beat-Generation
Autor: Patrick Goldstein

Immer sonnabends früh, und das zog sich von den 70ern bis in die mittleren 80er Jahre, da schwofte unser Vater im braunen Schlafanzug durch die Tempelhofer Wohnung, das Radio weit aufgedreht, den Rauhaardackel auf dem Arm, und sang laut zu den «Evergreens à go go». Wenn die Familie dann am Frühstückstisch saß, legte der Hausvorstand während der Witze des Moderators, der sich Lord Knud nannte, den Zeigefinger an den Mund. Man lauschte, lachte, und meist schüttelte einer den Kopf und sagte etwas wie: «Typisch Knud». So war das bei uns.

Wahrscheinlich kennt ihn jeder, der sich zwischen 1968 und 1986 für längere Zeit in einer der beiden Stadthälften aufhielt. Mit bis zu vier Sendungen gleichzeitig drang Lord Knud in die Wohnungen der Insulaner des kleinen West-Berlins, verschaffte er sich über die Ätherwellen unkontrollierten Zutritt in die Hauptstadt der DDR.
Wie Kreissägeblätter durchtrennten seine Beatmusik-rotierenden Plattenteller Ende der Sechziger die Klassik- und Heimatmusik-Verkrustung des RIAS. Sein loses Mundwerk spie Spruch um Spruch; Pointen, mal so flach wie der Bierdeckel auf dem Stammtisch, mal so inspiriert wie ein Kabarettist nach dem «Zugabe»-Applaus.

Das Leben des Knud Kuntze, wie er ganz, ganz bürgerlich heißt, begann vor 55 Jahren. 1944 wurde er in der Evakuierung, dem polnischen Lissau, Adolf-Hitler-Straße, als zweiter Sohn geboren. «Zurück in Berlin suchte mein Vater nach einem Weg, Geld zu verdienen. Er kam auf Schuhverkauf.» Hans Kuntze schusterte Schuhe mit Holzsohle und brachte sie im neueröffneten Geschäft an Frau und Mann. Knud sah seine Zukunft als «Schuhfritze» besiegelt. Irrtum. Denn in der Dixieland- und Skiffle-Szene von «Riverboat» und «TöffTöff» schloß sich der 1,86 Meter große Beau Anfang der 60er der Clique der «Skiffle-Lords» an. Wie die Liverpooler «Silverbeetles» verzichtete die Band früh auf die ersten beiden Silben, die «Lords» dann auf den alten Bassisten, und schließlich stieg Knud als fünfter Mann ein.
Im VW-Bus mit «Schuh-Kuntze»-Schriftzug knatterte man von Konzert zu Konzert, trat man im Hamburger Starclub auf, wurde man laut «Bravo» Deutschlands «Nummer eins Beat-Band». 
Knud: «Das war was. Bis um fünfe spielen, kreischende Mädels, dann eine Stunde schlafen und ab acht Uhr im Schuhladen stehen. ,Was darf's sein gnä' Frau?´ Und den Vater immer im Nacken.»

Ihre Hits hießen «Shakin' all over» und «Poor boy». Der «arme Junge» war Kuntze letztlich selbst. Den Erfolg der Single beobachtete er vom Krankenbett aus, denn im Februar 1965 hatte er bei einem Autounfall das linke Bein verloren, danach seinen Platz in der Band. Beim Gespräch in seinem 50er-Jahre-Bungalow in Dahlem kalauert er viel über die Behinderung. «Mit dem falschen Bein aufstehen» und «herumhoppeln», sagt er hinter futuristischer Brille und lacht glucksend. Die Fassade steht. Was dahinter passiert, behält er für sich. «Zurück in den Schuhladen - der Vater hatte jetzt Filialen in den Außenbezirken - kam nicht in Frage. Ich wollte vorankommen, wenn auch nur auf einem Bein.»

Anfang der 60er hatte das erste Tanzlokal mit Schallplattenbeschallung aufgemacht. Der Big Apple in Wilmersdorf - und Berlin bebte: Beat im «Apple», Gesellschaftspielabende mit Rolf Zacher, sogar Frank Zander hatte seine Band. «Eines Abends kam ein US-Army-Offizier zu mir in die Disko. ,Warum gibt es hier keinen, der die Sendungen moderiert?´ hatte der beim RIAS gefragt und sich auf die Suche gemacht.» Zwei Tage später fing Kuntze im Sender an und fühlte sich gleich heimisch. Der RIAS, Amerikas Megaphon im Kalten Krieg, war «konservativ wie ich damals». Fünf Jahre nach dem verhaßten Mauerbau konnte Knud nun radiophon schimpfen, auf DDR und Studentenbewegung. Nach Feierabend trug er Anzüge «wie die von Axel Springer». Hamburger Eleganz und Weltgewandtheit: faszinierend für den jungen Mann aus dem abgeschiedenen West-Berlin. «Aber schön war's hier dennoch», sagt Kuntze beim zweiten Joint, seinem ärztlich befürworteten Schmerzmittel. «Keiner hatte Bundeswehrdrill erlebt. Karrieristen hatten die Stadt verlassen - wir waren schon ein duftes kleines Dorf.» Die Siebziger wurden seine zweite Jugend. Alte Zeitungen zeigen ihn beim Golfen, mit immer neuen Blondinen, im Rollkragen, im Arm von Paul Kuhn und Udo Jürgens, seinem besten Freund. Eigentlich hatte er den Sänger wegen «so einer Frauengeschichte» vermöbeln wollen. Statt dessen zog Jürgens - auch so einer, den es aus der engen Bürgerwelt drängte, der nicht mehr Udo Bockelmann sein wollte - in Knuds Haus ein.

Seit 1968 moderierte Kuntze die «Evergreens à gogo». Ein weiterer Renner wurden seine «Schlager der Woche». Verbal haute Kuntze «immer kräftig auf die Sozis. Die hatten in Berlin all die Neubauten hochgezogen, das alte Berlin plattgemacht.» Viele der Politkalauer zwischen Beach-Boys-Hit und Alexandra-Schlager zielten gen Pankow und trafen das Herz der Hörer in Ost-Berlin. Ost-Großmütter schauten bei ihm im Schöneberger Sendehaus vorbei, bekamen von ihm Platten für die Enkel, Grüße gingen von Ost nach West und umgedreht. Das «Arme-Ostler»-Syndrom eben. «Aber denken Sie nicht, daß ich seit der Wende nur einmal drüben gewesen wäre», sagt Kuntze heute selbstkritisch. Er hat Angst «vor dem anerkennenden Schulterklopfen und den Erinnerungen der Leute an meine Sendungen». Eine Riesenparty war dieses Jahrzehnt. Koks, Frauen, Bälle bei Fürstin Gracia, Modenschau in St. Moritz, Kuntze aus Lichterfelde Süd mittenmang. Und immer Alkohol. Immer mehr. Mit Fahne vor dem Mikro, immer rauher die Stimme.

1986 dann war Schluß mit Lord Lustig. «Ich habe nichts gegen die Frauenbewegung - Hauptsache, sie ist rhythmisch» hatte er im Funk gesagt, und Richard von Weizsäcker hatte es gehört. Genug. Durch seinen Umgang mit Wolfgang Neuss, mit den Leuten der Ufa-Fabrik und dank seines Mundwerks hatte er es sich mit dem Berliner Establishment eh verscherzt. Knud flog. «Sieben Jahre brauchte ich, um darüber hinwegzukommen», sagt er. Mehr oder minder kurze Jobs folgten bei r. s. 2, bei RTL-Radio und RTL-Fernsehen. Dem neuen Berlin, dem Tempo der Hauptstadt und den Ansprüchen der gehirnerweichend heiteren Kommerzsender aber war West-Berliner Kuntze nicht gewachsen. Seine Zeit war vorbei. Heute feiert Kuntze andere Erfolge. «Mit Alkohol ist lange Schluß», sagt er mit frommem Blick. Und neue Freunde hat er. Diskjockeys, wie er es mal war. Richtig wichtige Musiker der jungen Diskoszene. Sein Tonstudio nutzen sie, mixen mit ihm moderne Rhythmen und Udo-Jürgens-Platten. Berlin, die Stadt, die Kuntze zum Lord machte, hat ihm am Ende seine Nische gezeigt, ihm einen neuen Platz zugewiesen - und wie funkelnd, lebensfroh und sexy der ist: In den Diskos «spül ich mir nachts Gedanken und Kopf, da sammle ich mich, da kann ich atmen,» sagt er durch den aufsteigenden Zigarettenrauch. «Und dann geh' ich da raus wie ein neuer Mensch.»

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