Studio 89

Das Original

"Das ist das einzige Radioprogramm mit Garantie. Es gibt keine heißere Show! Wenn es eine gäbe, würden wir unsere einstellen"(B.Graves)
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Helmut Lehnert

Chefredakteur Radio Eins

Lehnert

Lehnert gilt als einer der kreativsten Radiomacher Deutschlands, weil ihm die ARD das Konzept der erfolgreichen Jugendwellen verdankt, die er sich mit der Berlin-Brandenburger Station Fritz als einer der ersten ausgedacht hatte. Mit Fritz war Lehnert bereits gelungen, wovon er jetzt immer noch redet: den Radiomarkt zu verändern.
Lehnert arbeitete als Musikredakteur beim SFB, später bei Radio 4U und Fritz. Am 27.08.1997 startete der Nachfolger von B 2, Radio Eins (SFB+ORB). Im August 1997 war der federführende ORB mit dem Anspruch auf Sendung gegangen, ein sogenanntes "High-Quality-Radio" für 25- bis 45jährige zu machen. Als Antwort auf die zunehmende Verflachung dieses Mediums, in dem es nur so vor Gewinnspielen, Mega-Hits und kreischenden Moderatoren wimmelte, wollte Radio Eins mit Qualität die Masse zurückgewinnen: ein intelligentes Vollprogramm für ein erwachsenes, urbanes Publikum, eine kleine Sensation.
Dass Lehnert überhaupt zum Radio und jetzt zum Fernsehen kam, ist eigentlich bloß Zufall. „Medien haben bei uns zuhause keine große Rolle spielt”, erinnert er sich an seine Jugend. Die Eltern wollten das so. Radiohören ohne Aufsicht war verboten, Popmusik sowieso. Der Vater war mehr für Klassik – und Lehnert spielte lange Zeit Geige im Schulorchester, kaufte sich aber Platten von Frank Zappa. „Nicht, weil ich den so toll fand, sondern weil ich mich von den anderen abgrenzen wollte. Das ging damals mit Zappa ganz gut.”
Fernsehen konnte Lehnert nur bei Bekannten. Nachdem er der Freundin nach Berlin gefolgt war, schwand das Interesse am Flimmerkasten zugunsten des politischen Engagements. „Ich war jemand, der sich mit den Verhältnissen in dieser Gesellschaft intensiv auseinander gesetzt hat – auch wenn ich im Nachhinein sagen muss, dass vielleicht nicht immer alles so wichtig war, wie ich damals gedacht habe.” Sein Abitur machte Lehnert auf der ersten selbstverwalteten

„Damals war es absolut ,in’, auf das Fernsehen zu schimpfen, wenn man in einer bestimmten Szene aktiv war.”
Hätte man ihm zu dieser Zeit gesagt, er werde später selbst mal Fernsehen verantworten, noch dazu Unterhaltung, man wäre vermutlich für verrückt erklärt worden. Quelle: taz 23.6.1999 (2004)


Helmut Lehnert ist ein Urgestein der regionalen Radio-Szene, hat deren Verwandlung vom beheizten Swimmingpool zum Haifischbecken mitgemacht. 1977 begann er beim Jugendmagazin "s-f-beat", wurde 1987 Musikchef von SFB, leitete das Jugendradio Radio 4U (1990-1992) und danach "Fritz", wurde 1997 Chefredakteur von Radio Brandenburg, wenige Monate später Chefredakteur des neuen Radio Eins. "Wenn man Veränderungen als etwas Positives sieht, kann man sich immer anpassen. Ich habe das große Glück gehabt, dauernd mit Veränderungen zu tun gehabt zu haben. Die Öffentlich-Rechtlichen", haben das Privatradio damals einfach nicht ernst genommen. Die Konsequenz war, daß sie 80 Prozent der Hörer verloren." Radio 4U war als erstes 24-Stunden-Jugendprogramm die öffentlich-rechtliche Antwort, und es galt, Ost und West, SFB und ORB, an ein Mikrofon zu bringen. Nach nur drei Jahren wurde Radio 4U zu Grabe getragen. Der weitere Ausbau der Kooperation zwischen ORB und SFB führte zur Gründung von Radio Eins. "Wir haben ein neues Format entwickelt, das es so nicht noch einmal in Deutschland gibt", sagt der bekennende Leonhard Cohen-Fan. 2003 erhielt das spezielle Infotainment mit 14 Spezialformaten den Echo in der Sparte "beste Medialleistung".

Quelle: Morgenpost.de


Anmerkung: Barry Graves war für Helmut Lehnert ein Vorbild "...und plötzlich stand er in der Tür und fragte, Helmut ich würd' ganz gern für dich arbeiten? Presseinformation 037/2009 vom 24.03.2009 Helmut Lehnert verlässt den rbb Nach 32 Jahren im SFB, ORB und rbb verlässt der Unterhaltungschef des rbb Fernsehens, Helmut Lehnert (58), zum 1. Mai 2009 den Sender. Helmut Lehnert: „Über einen längeren Zeitraum habe ich erkennen müssen, dass auch meine Energien endlich sind. Deswegen habe ich die Intendantin gebeten, mich von meinen Aufgaben zu entbinden. Nach mehr als dreißig Jahren in der Medienwelt werde ich mich jetzt weitgehend daraus zurückziehen.“ rbb-Intendantin Dagmar Reim: „Es fällt mir schwer, mir den rbb ohne Helmut Lehnert vorzustellen. Seine Kreativität, seine Programmfantasie, sein herausragendes Gespür für Talente werden wir schmerzlich vermissen. Wir würden gern weiter mit ihm arbeiten. Allerdings haben wir zu akzeptieren, dass sein Weg nun ein anderer ist. Wir verdanken ihm viel und wünschen ihm das Beste.“

rbb-Fernsehdirektorin Dr. Claudia Nothelle: „Helmut Lehnert hat angeboten, dem rbb weiterhin mit seinen Ideen und seiner Erfahrung zur Verfügung zu stehen. Das freut uns sehr. Die Verbindung zwischen ihm und uns wird nicht abreißen.“



Helmut Lehnert, 1950 in Marburg/Lahn geboren, arbeitet seit 32 Jahren für den rbb und seine Vorgängersender SFB und ORB. 1977 begann er als Moderator der Musiksendung s-f-beat. Danach übernahm er die Leitung der Musikredaktion von SFB 2, später wurde er Chef der Rockwelle Radio 4 U. Er gründete und leitete 1993 das Jugendprogramm Fritz und 1997 Radioeins („Nur für Erwachsene“) - Gemeinschaftsprogramme von SFB und ORB, die heute das Radioangebot des rbb prägen und in der deutschen Radiolandschaft einmalig sind. 2005 wechselte Lehnert vom Radio zum Fernsehen und übernahm die Leitung des Programmbereichs Film und Unterhaltung. Er entwickelte so populäre Formate wie „KRÖMER – Die internationale Show“, „THADEUSZ“, „Berliner Nacht-Taxe“ und „Feinkost“.

Quelle


Update Mi, den 29.04.2009: Helmut Lehnert, der ehemalige Unterhaltungschef des rbb Fernsehen, übernimmt zum 1. Mai 2009 den Posten des Künstlerischen Leiters der Bar jeder Vernunft und des TIPI am Kanzleramt.

Update: Helmut Lehnert kehrt zu seinen Wurzeln zurück und übernimmt ab 5. November 2014 bei radioeins die Sendung „Heartbeat Radio“. Darin wird Lehnert jeweils am Mittwochabend ab 21.00 Uhr zwei Stunden lang unterschiedlichste Musikstile aus 50 Jahren Pop- und Rockgeschichte präsentieren.

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